Allgemeines

Neben Fragen nach Kostenübernahme und diversen Entschädigungen zieht ein Verkehrsunfall oft auch viele weitere rechtliche Fragen nach sich. Was du im Rahmen der Schadensregulierung allgemein zu beachten hast und welche Begrifflichkeiten du kennen solltest, erklären wir dir in folgenden Beiträgen.

Schadensregulierung bei Totalschaden

Zunächst spricht man von einem Totalschaden, wenn ein beschädigtes Fahrzeug rein technisch nicht mehr instandgesetzt werden kann oder wenn sich eine Reparatur wirtschaftlich nicht mehr lohnt. Dementsprechend lässt sich zwischen dem technischen, dem wirtschaftlichen (und als Sonderfall dem unechten Totalschaden) unterscheiden.

Konkret: Bei einem technischen Totalschaden sind die Schäden am betroffenen Fahrzeug so schwer, dass eine qualitativ ausreichende Instandsetzung nicht mehr möglich wäre oder einen nicht mehr verhältnismäßigen Aufwand bedeuten würde. Damit kommt eine Reparatur nicht mehr in Frage.

Würde eine Reparatur zwar technisch möglich sein, sich wirtschaftlich aber nicht mehr lohnen, liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor. Dieser Fall tritt ein, sobald die Summe aus Reparaturkosten und Wertminderung die Differenz zwischen Wiederbeschaffungswert und Restwert übersteigt.

Den unechten Totalschaden diagnostiziert man bei neuwertigen Fahrzeugen, wenn diese zwar technisch repariert werden könnten, eine Reparatur jedoch unzumutbar wäre. Dann kannst du als Geschädigter das Recht, auf Neuwagenbasis abzurechnen.

Wie wird ein Totalschaden ansonsten abgerechnet? Bei einem wirtschaftlichen Totalschaden kannst du lediglich den Wiederbeschaffungswert minus des Restwerts des verunfallten Fahrzeugs geltend machen. Das verunfallte Fahrzeug kann zum ermittelten Restwert verkauft werden.

Ausnahme bildet die sogenannte 130-Prozent-Regel: Dabei kannst du als Geschädigter die Reparaturkosten doch in Anspruch stellen – jedoch dürfen diese den Wiederbeschaffungswert höchstens um 30 % übersteigen. Wichtig: Dabei muss das Fahrzeug gemäß Gutachten vollständig und fachgerecht repariert und mindestens sechs Monate weitergenutzt werden.

Vorschäden (Altschäden) im Schadengutachten

Lange Zeit wurden Altschäden und Vorschäden so definiert und unterschieden, dass man unter einem Altschaden solche Schäden an einem Fahrzeug verstand, die nicht repariert wurden und demnach noch bestehen. Vorschäden hingegen wurden als Schäden verstanden, die bereits instandgesetzt wurden – unabhängig davon, ob die Reparatur vollständig fach- und/oder sachgerecht ausgeführt wurde.

Inzwischen hat sich im Sinne einer einfacheren und einheitlichen Gutachtenerstellung die Praxis durchgesetzt, nur noch zwischen instandgesetztem und nicht instandgesetztem Vorschaden zu differenzieren.

Im Rahmen der Schadensregulierung sollten die Vorschäden innerhalb eines Unfallgutachtens unbedingt vollständig und detailliert ausgewiesen werden. Andernfalls droht dir, dass die gegnerische Versicherung Regulierungsleistungen berechtigterweise ganz oder teilweise ablehnt. Und nicht nur das: Das Verschweigen unreparierter Vorschäden, die von einem Neuschaden überdeckt werden, oder wertrelevanter Vorschäden könnte die Rechtsprechung als Betrug werten.

Was ist der Restwert eines Fahrzeugs?

Der Begriff Restwert beschreibt den materiellen Wert eines beschädigten Unfallfahrzeugs. Es handelt sich also um die Summe, die das Kfz noch auf dem Markt erzielen würde.

Relevant wird dieser Wert im Rahmen der Schadensregulierung, sobald du nicht mehr Reparaturkosten geltend machen kannst, sondern auf Totalschadenbasis abrechnest. Welches Abrechungs-Modell zum Einsatz kommt, ergibt sich aus dem sog. „Vier-Stufen-Modell“ des Bundesgerichtshofs (BGH) und hängt von der Schwere des Schadens ab. Kommt die Abrechnung auf Totalschadenbasis zum Einsatz, steht dir die Differenz zwischen Wiederbeschaffungswert und Restwert (der sog. Wiederbeschaffungsaufwand) zu.

Wann benötige ich eine Reparaturbestätigung?

Eine Reparaturbestätigung dokumentiert die sach- und fachgerechte Instandsetzung eines Unfallfahrzeugs. Notwendig ist sie vor allem in zwei Fällen: Wenn du nach einem unverschuldeten Unfall die Reparatur in Eigenregie durchführst oder wenn du den Nutzungsausfall bzw. Mietwagenkosten fiktiv geltend machen willst. Nicht zuletzt dient dir eine Reparaturbestätigung nach einem neuerlichen Unfall als Beweis, dass es sich nicht um einen Vorschaden handelt.

Mithilfe der Reparaturbestätigung beweist du also der gegnerischen Versicherung, dass der Schaden an deinem Kfz behoben wurde bzw. kannst den Ausfallzeitraum nachweisen.

Die Kosten für eine Reparaturbestätigung werden dir nur erstattet, wenn du damit den Nutzungsausfall dokumentieren willst oder es im Rahmen der Schadensregulierung zum Rechtsstreit mit der gegnerischen Versicherung kommt. Außerdem kannst du die Kosten geltend machen, wenn sich die fiktive Abrechnung höher erweist als der Wiederbeschaffungsaufwand. Dann gilt die Reparaturbestätigung als Nachweis einer verkehrssicheren Reparatur.

Übrigens: Du solltest darüber hinaus auf eine Reparaturbestätigung setzen, weil die durchgeführte Reparatur eines Schadens damit automatisch im HIS (das zentrale Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft), dokumentiert ist. Damit kannst du bei einem zukünftigen Unfall eindeutig belegen, ob ein Neuschaden oder ein Altschaden vorliegt.

Besteht das Recht auf eine Nachbesichtigung seitens der gegnerischen Versicherung?

Nicht selten fordern Versicherungen im Verlauf der Schadensregulierung eine sogenannte Nachbesichtigung durch einen eigenen Sachverständigen. Ziel: Die Schadenssumme respektive Auszahlung zu minimieren.

Merke jedoch: Die Rechtsprechung ist hier eindeutig. Es besteht kein generelles Recht auf Nachbesichtigung. Es müssten offensichtliche Mängel am Gutachten bestehen und die gegnerische Versicherung müsste anhand konkreter Positionen im Schadengutachten ihre Zweifel begründen.

Tipp: Solltest auch du von der gegnerischen Versicherung ein Schreiben mit Nachbesichtigungswusch erhalten, wende dich an Gutachterix. Wir können dir mit unseren Rechtsexperten helfen. Ohne Rechtsbeistand kämpfst du meist auf verlorenem Posten.