Abrechnung

Zum Thema der korrekten Abrechnung eines Kfz Haftpflichtschadens treten immer wieder Fragen auf – von der 130 % Regelung bis hin zur fiktiven Abrechnung. Im Folgenden erklären wir die wichtigsten Begriffe in Sachen Abrechnung und Regulierung eines Kfz Haftpflichtschadens und warnen vor häufigen Fallstricken.

Wie läuft die Schadensregulierung bei einem Kfz-Schaden ab?

Zunächst: Das Gabler Wirtschaftslexikon beschreibt mit dem Begriff im Allgemeinen den gesamten Prozess der Bearbeitung und Abwicklung von Schäden. Konkreter meint Schadenregulierung die abschließende Entscheidung des Versicherers zu seiner Eintrittspflicht für den konkreten Schaden gegenüber dem Versicherungsnehmer oder Geschädigten (Regulierungsentscheidung) mit dem Ziel eines sachgerechten Schadenausgleichs.

Im Bereich der Haftpflichtversicherung werden darunter Prüfung und Ausgleich berechtigter sowie die Abwehr unberechtigter Ansprüche gegen den Versicherungsnehmer oder die versicherten Personen verstanden.

Als allgemeiner Ablauf nach einem Unfall empfiehlt sich, die Polizei für einen Unfallbericht hinzuzuziehen. Unabhängig davon sind Versicherungsnehmer verpflichtet, einen Verkehrsunfall innerhalb einer Woche ihrer Kfz-Versicherung zu melden (laut § 7 der Allgemeine Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung). Dies sollten auch Geschädigte bei der eigenen Haftpflicht tun. Die jeweiligen Versicherungen tauschen sich daraufhin zur konkreten Schadensregulierung aus. Um umfassend entschädigt zu werden, sollte überdies ein unabhängiger Gutachter beauftragt werden. Trägt der Unfallverursacher die alleinige Schuld am Unfall, muss seine Versicherung den kompletten Schaden übernehmen. Bei einer Teilschuld kürzt die Versicherung die zu erstattenden Kosten entsprechend.

Was bedeutet fiktive Abrechnung/Abrechnung nach Gutachten?

Hattest du einen Unfall, für den du nicht verantwortlich bist, hat die Versicherung des Unfallverursachers für die Reparatur zu bezahlen. Du bist jedoch nicht verpflichtet, dein Fahrzeug tatsächlich reparieren zu lassen. Ist dein Fahrzeug nicht sonderlich stark beschädigt – wenn vor allem keine sicherheitsrelevanten Bauteile betroffen sind – kannst du als Geschädigte/r auch auf die Reparatur deines Wagens verzichten und dir den Geldbetrag, den die Instandsetzung gekostet hätte, als Entschädigung auszahlen lassen. Diese Vorgehensweise nennt man fiktive Abrechnung oder auch Abrechnung nach Gutachten. Denn um so vorzugehen, benötigst du ein Schadengutachten aus den Händen eines professionellen Kfz-Gutachters.

Wichtig: Du hast das Recht, einen unabhängigen Gutachter zu beauftragen, dessen Kosten ebenfalls die gegnerische Versicherung tragen muss.

Was ist die 130 % Regelung?

Ein wirtschaftlicher Totalschaden ist wohl die schlimmste Diagnose, die du für dein Fahrzeug erhalten kannst. Dabei liegen die von einem Kfz-Gutachter im Unfallgutachten ausgewiesenen Reparaturkosten über der Differenz aus Wiederbeschaffungswert und Restwert deines Fahrzeugs. Doch nicht immer heißt das auch, dass der geliebte Wagen nun auf dem Schrottplatz landen muss. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die sogenannte 130-Prozent-Regelung zum Tragen kommen. Sie besagt, dass dein Fahrzeug trotz wirtschaftlichen Totalschadens repariert werden darf – und zwar auf Kosten der gegnerischen Versicherung. Dies gilt jedoch nur, wenn die anfallenden Reparaturkosten plus Minderwert maximal 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert liegen. Außerdem muss die Reparatur fachgerecht und vollständig ausgeführt werden und du musst dein Auto noch mindestens sechs Monate selbst fahren. Damit zeigst du dein Integritätsinteresse, also den Willen, weiterhin wirklich mit dem vertrauten Auto fahren zu wollen.

Wann habe ich Anspruch auf einen Neuwagen (Abrechnung auf Neuwagenbasis)?

Du hast dich gerade erst an dein neues Fahrzeug gewöhnt, schon gerätst du in einen Unfall. Unter bestimmten Voraussetzungen hast du als Geschädigte/r nun Anspruch auf einen Neuwagen. War dein Auto zum Zeitpunkt des Unfalls nicht älter als einen Monat (hier gilt für die Berechnung das Zulassungs-Datum) und bist du damit bisher nicht mehr als 1.000 Kilometer gefahren, darfst du – bei einem erheblichen Schaden – ein Neufahrzeug anschaffen. Dabei gilt allerdings, dass eine Reparatur mindestens 30 % des Fahrzeugwertes übersteigen würde oder sicherheitsrelevante Bauteile bzw. der Rahmen des Wagens beschädigt sein müssen. Die Möglichkeit der fiktiven Abrechnung kommt hierbei kaum in Betracht. Der Bundesgerichtshof besagte in mehreren Urteilen, dass die Kosten für einen Neuwagen nur dann erstattet werden, wenn du dir auch wieder ein gleichwertiges Fahrzeug als Ersatz anschaffst.

Welche Stundenverrechnungssätze werden für eine Erstattung herangezogen?

Sie sind immer wieder ein Zankapfel bei der Regulierung von Unfällen: die sogenannten Stundenverrechnungssätze. Bei dieser Größe handelt es um die Kosten, die bei einer Fahrzeugreparatur pro Stunde anfallen. Zum Problem werden sie im Rahmen der Schadensregulierung oft, weil diese Kosten je nach Betriebsgröße, Region und Art der Werkstatt unterschiedlich ausfallen. Insbesondere bei der fiktiven Abrechnung versuchen Haftpflichtversicherer oft, geltend gemachte Reparaturkosten unter Verweis auf günstigere Referenzwerkstätten zu kürzen. Dazu hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 22.06.2010 (VI ZR 302/08) erklärt, dass Geschädigte seinem Gebot der Wirtschaftlichkeit nachkommt, „wenn er der Schadensabrechnung die üblichen Stundensätze einer markengebundenen Reparaturwerkstatt zugrunde legt, die ein von ihm eingeschalteter Sachverständiger auf dem allgemeinen regionalen Markt ermittelt hat.“

Der Schädiger könne hinsichtlich der Schadensminderungspflicht (laut § 254 Abs. 2 BGB) nur dann auf einen günstigeren Reparaturdienst einer „freien Werkstatt“ verweisen, wenn deren Reparatur qualitativ nachweislich dem technisch anerkannten Niveau einer markengebundenen Fahrzeugwerkstatt entspricht und ihre Beauftragung mühelos zumutbar wäre.